Methodik
Quellenkritik · Kontextualisierung · Nachvollziehbarkeit
Historische Forschung beginnt nicht mit einer fertigen Erzählung, sondern mit einer Fragestellung.
Meine Arbeit basiert auf der systematischen Recherche, kritischen Prüfung und historischen Einordnung von Quellen. Dabei werden unterschiedliche Überlieferungen miteinander verglichen und in den jeweiligen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhang eingeordnet.
Das Ziel ist keine möglichst geschlossene Unternehmensgeschichte, sondern eine wissenschaftlich nachvollziehbare Rekonstruktion dessen, was sich anhand der verfügbaren Quellen feststellen lässt.
Wissenschaftliche Grundsätze:
Quellen vor Annahmen
Ausgangspunkt jeder Untersuchung sind die verfügbaren historischen Quellen. Vorannahmen oder bestehende Unternehmensdarstellungen werden nicht als Ergebnis vorausgesetzt, sondern selbst überprüft.
Ergebnisoffene Forschung
Historische Forschung kann belastende, entlastende, widersprüchliche oder ambivalente Befunde hervorbringen. Das Ergebnis einer Untersuchung steht deshalb nicht vor Beginn des Projekts fest.
Nachvollziehbare Aussagen
Wesentliche historische Aussagen werden durch Quellen und wissenschaftliche Literatur belegt. Interpretation und nachweisbarer Befund werden voneinander unterschieden.
Transparenz bei Unsicherheit
Nicht jede historische Frage lässt sich abschließend beantworten. Fehlende Unterlagen, widersprüchliche Quellen und Überlieferungslücken werden deshalb ausdrücklich benannt.
Der Forschungsprozess
1. Fragestellung definieren
Zu Beginn wird festgelegt, welcher Zeitraum, welche Entwicklung oder welcher historische Sachverhalt untersucht werden soll.
Eine möglichst präzise Forschungsfrage verhindert, dass große Mengen historischer Unterlagen gesammelt werden, ohne dass klar ist, welche Erkenntnis daraus gewonnen werden soll.
2. Forschungsstand prüfen
Bestehende Unternehmenschroniken, wissenschaftliche Literatur, frühere Untersuchungen und weitere Veröffentlichungen werden ausgewertet.
Dadurch wird sichtbar, welche Erkenntnisse bereits vorliegen und welche Fragen bislang offen geblieben sind.
3. Quellen und Archive identifizieren
Anschließend wird ermittelt, welche Quellen für die Untersuchung relevant sein können.
Dazu gehören je nach Forschungsgegenstand unter anderem:
- Unternehmensarchive und interne Unterlagen
- Geschäftsberichte und Bilanzen
- Protokolle und Korrespondenzen
- Personalunterlagen
- Behördenakten
- Bundes-, Landes- und Kommunalarchive
- Wirtschafts- und Branchenarchive
- Entnazifizierungsunterlagen
- zeitgenössische Presse
- Fotografien, Karten und weitere historische Überlieferungen
Interne Unternehmensquellen werden nach Möglichkeit durch externe Überlieferungen ergänzt.
Quellenkritik
Historische Dokumente werden nicht allein deshalb als zuverlässig behandelt, weil sie zeitgenössisch sind.
Bei jeder Quelle wird geprüft, wer sie erstellt hat, wann und unter welchen Bedingungen sie entstanden ist, welchem Zweck sie diente und welche Informationen sie überhaupt liefern kann.
Ein Geschäftsbericht verfolgt beispielsweise einen anderen Zweck als eine interne Korrespondenz, eine Behördenakte oder eine spätere autobiografische Erinnerung.
Unterschiedliche Quellen können deshalb dasselbe Ereignis verschieden darstellen.
-Entscheidend ist nicht nur, was eine Quelle sagt, sondern warum sie es sagt und welchen Aussagewert sie für die konkrete Forschungsfrage besitzt.
Abgleich unterschiedlicher Überlieferungen
Ein einzelnes Dokument bildet selten die gesamte historische Wirklichkeit ab.
Deshalb werden unterschiedliche Quellen nach Möglichkeit miteinander verglichen.
Unternehmensinterne Unterlagen können beispielsweise mit Behördenakten, zeitgenössischen Veröffentlichungen, externen Archiven und wissenschaftlicher Forschung abgeglichen werden.
- Übereinstimmungen stärken einen Befund.
- Widersprüche werden nicht beseitigt, sondern untersucht.
- Gerade dort, wo verschiedene Überlieferungen voneinander abweichen, können wichtige historische Fragen entstehen.
Historische Kontextualisierung
Unternehmerische Entscheidungen entstehen nicht unabhängig von ihrer Zeit.
Wirtschaftliche Entwicklungen, politische Rahmenbedingungen, rechtliche Vorschriften, Krieg, staatliche Steuerung oder gesellschaftliche Veränderungen können erheblichen Einfluss auf Handlungsmöglichkeiten und Entscheidungen eines Unternehmens gehabt haben.
Historische Vorgänge werden deshalb nicht isoliert betrachtet.
-Unternehmensgeschichte bedeutet auch, unternehmerisches Handeln innerhalb der Bedingungen seiner jeweiligen Zeit zu verstehen.
Das gilt insbesondere für Untersuchungen zur Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs.
Dabei geht es weder darum, historische Akteure nachträglich zu entlasten, noch darum, ihnen bereits vor der Untersuchung bestimmte Motive zuzuschreiben.
Entscheidend ist, welche Handlungsmöglichkeiten bestanden, welche Entscheidungen getroffen wurden und was sich darüber anhand der Quellen belegen lässt.
Befund und Interpretation
In der historischen Darstellung unterscheide ich zwischen:
- belegbaren Befunden,
die unmittelbar aus den Quellen hervorgehen, - historischer Einordnung,
die diese Befunde in größere Zusammenhänge stellt, - und Interpretationen,
die aus mehreren Quellen und dem Forschungsstand entwickelt werden.
Diese Trennung erhöht die Nachvollziehbarkeit der Untersuchung und ermöglicht es dem Leser, historische Schlussfolgerungen selbst zu überprüfen.
Umgang mit Forschungslücken
Historische Überlieferung ist fast immer unvollständig.
Akten können vernichtet worden sein. Unternehmensarchive können Lücken besitzen. Bestände öffentlicher Archive können nur Teilaspekte dokumentieren. Manche Vorgänge wurden möglicherweise überhaupt nicht schriftlich festgehalten.
Wo die Quellenlage keine eindeutige Antwort erlaubt, wird deshalb keine künstliche Gewissheit erzeugt.
Stattdessen wird dokumentiert:
- welche Quellen vorhanden sind,
- welche Informationen daraus hervorgehen,
- welche Aussagen wahrscheinlich erscheinen,
- welche Fragen offenbleiben,
- und welche weitere Forschung sinnvoll sein könnte.
Wissenschaftliche Unabhängigkeit
- Auftraggeber bestimmen gemeinsam mit mir den Forschungsgegenstand und den Umfang einer Untersuchung.
- Die historischen Ergebnisse selbst sind nicht verhandelbar.
- Die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit einer Untersuchung setzt voraus, dass positive, negative, ambivalente und unerwartete Ergebnisse nach denselben Maßstäben behandelt werden.
- Die Aufgabe historischer Forschung besteht nicht darin, eine gewünschte Unternehmensgeschichte zu produzieren.
- Sie besteht darin, eine quellenbasierte und überprüfbare Unternehmensgeschichte zu rekonstruieren.
Dokumentation der Ergebnisse
Je nach Auftrag werden die Ergebnisse als Recherchebericht, historische Studie oder ausführliches Manuskript aufbereitet.
Quellen und verwendete Literatur werden nachvollziehbar dokumentiert.
Dabei soll die wissenschaftliche Grundlage erkennbar bleiben, ohne dass die Darstellung unnötig akademisch oder schwer verständlich wird.
Das Ergebnis soll sowohl fachlich belastbar als auch für den Auftraggeber praktisch nutzbar sein.
Historisches Forschungsvorhaben besprechen
Sie möchten eine unternehmenshistorische Fragestellung wissenschaftlich untersuchen lassen oder zunächst klären, welche Quellen dafür vorhanden sind?
Schildern Sie mir kurz Ihr Anliegen und den betreffenden Zeitraum.